Stellt sich ein neuer, meist junger Trainer in einem Verein oder einer Tennisschule vor, so sind die Vorstellungen an den Rookie-Trainer meist schnell und klar definiert. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, eigenständiges Handeln, Motivation etc., also alle gängigen Persönlichkeitsmerkmale, die auch in einem jeden anderen x-beliebigen Beruf gefragt sind. Über die Bewertung einer erfolgreichen Arbeit entscheiden aber dann zukünftig weniger die Funktionäre oder Chefs, sondern oft diejenigen, denen man am wenigsten eine solche Einschätzung abnehmen würde. Die Kinder nämlich sind es, die man in dem Beruf des Trainers einfangen muss. Und im Tennis sind es manchmal ganze Horden von 5 bis 10-Jährigen, die man erst mal für sich und dadurch auch für den Tennissport gewinnen soll. Es stellt sich also die überaus wichtige Frage, was denn die Kinder von „ihrem“ Trainer erwarten.

Empathie heißt hier das Zauberwort. Die gute Nachricht: Empathie kann jeder von uns lernen, die Anlagen dafür stecken in uns Menschen als eigentliches Gruppen-Lebewesen.

Jürgen Müller

Empathie heißt hier das Zauberwort. Dieser Begriff wird definiert als die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen. Menschen ja, Kinder sind natürlich auch Menschen, aber halt keine „kleinen“ Erwachsenen. Da muss man schon differenzieren und da junge Trainer in aller Regel nicht aus dem Erfahrungsschatz der eigenen Elternschaft schöpfen können, sind sie zunächst einmal auf ihre mehr oder weniger entwickelte Empathie angewiesen. Die gute Nachricht: Empathie kann jeder von uns lernen, die Anlagen dafür stecken in uns Menschen als eigentliches Gruppen-Lebewesen.

Doch bevor es zu wissenschaftlich wird. Was wollen denn Kinder nun wirklich von einem Trainer?

Ein einfühlsamer Trainer sollte auf alle Fälle auch zuhören können. Denn die Kinder haben einiges zu erzählen, und manchmal ist es erstaunlich, was man da alles völlig unverblümt zu hören bekommt. Nicht umsonst gibt es das alte Sprichwort: “Kindermund tut Wahrheit kund“.

Auch spielt der Faktor „Spaß“ eine sehr wichtige Rolle. Natürlich werden Kinder von ihren Eltern nach dem Tennisunterricht danach gefragt, wie es denn war. Selten werden Kinder auf ihre verbesserte Rückhand hinweisen, aber wenn es Spaß gemacht hat, ist für die Eltern und die Kinder erstmal alles okay. Das heißt nicht, dass alles dem Thema Spaß untergeordnet werden soll, ein Trainer mit etwas Erfahrung schafft es aber sicherlich, für die Tennis-Entwicklung wichtige Lerninhalte so zu verpacken, dass die Kinder nicht gerade die Lust daran verlieren. Denn irgendwann wird ein Trainer dann auch daran gemessen, ob er den Kindern etwas beigebracht hat oder nicht.

Dazu ist dann aber auf alle Fälle Geduld gefragt und eine gehörige Portion positiver Energie. Schon von jeher haben Kinder zum Erhalt ihrer Motivation Anschub von außen durch Lob und Bestätigung gebraucht. Dieses Bedürfnis oder vielleicht besser gesagt dieser Anspruch ist bei der aktuellen heranwachsenden Generation sicherlich nicht weniger geworden. Trotzdem ist beim Sport und insbesondere bei der koordinativ sehr anspruchsvollen Sportart Tennis das gelegentliche Scheitern an einer Aufgabe auch eine wichtige Erfahrung und auch ein Teil des Weges. Nun kommt der Trainer wieder ins Spiel, der jetzt mithelfen muss, diese Klippe zu umschiffen. Mit der entsprechenden Inspiration lässt sich das sicherlich schaffen.

Der Trainer als Vorbild, als „Role-Model“, der Respekt, positive Energie, Fairness, Unterstützungsbereitschaft und noch vieles mehr vermitteln und leben soll. Also nicht nur die Kinder müssen an ihren Aufgaben wachsen.

Wenn man dann als Weihnachtsgeschenk nicht nur die hastig eingepackte Rotweinflasche der Eltern sondern auch ein selbstgemaltes Bild seines kleinen Schützlings bekommt, dass ihn auf dem Tennisplatz mit „seinem“ Trainer zeigt, hat man vieles richtig gemacht.